Da sieht es gegen 19.30 Uhr doch aus, als wolle der Himmel klar werden. Ich überlege ob ich raus will oder nicht. Am Ende siegt die Nervosität, ich packe mein Material zusammen, sitze ins Auto und fahre wieder auf die Insel Gimsøya. Wie ist die Lage in der Nacht? Ist der Platz wirklich so gut geeignet wie am Nachmittag gedacht? Kurz gesagt: Jein.
Es hat erstaunlich viele störende Lichtquellen. Irgendwie verstehe ich die Norweger ja. Im Winter ist es sehr dunkel, da muss man jeden Misthaufen mit starken Scheinwerfern ausleuchten. Und ein Haus ist vermutlich nur dann ein Haus, wenn es erstens an der Strasse eine helle Lampe hat und zweitens das Gebäude nach allen Regel der Kunst ausgeleuchtet wird. Sieht nett aus und bringt Licht ins dunkel. Zur Abwechslung wäre es für Polarlichtjäger schon nett, wenn sie die Dunkelheit nicht so intensiv ausleuchten würden. So entuppen sich nette Standorte vom Nachmittag als absolut ungeeignet für die Nacht. Wie befürchtet sind es wieder die Küstenlinien, die leuchtend stören. Reto: es gibt schon Standorte, aber es braucht ein wenig Geduld. Oftmals kann man das Auto nirgends hinstellen. Die Parkbuchten sind selten freigeräumt. Auf's Geratewohl an den Rand fahren ist heikel. Da kann man locker sein Auto versenken. Notfalls bleibt man mitten auf der Strasse stehen. Es hat so wenig Verkehr, da klappt sogar das.
Eines ist an dieser Insel speziell. Fährt man rechts rum, landet man wieder am Ausgangspunkt. Fährt man linksrum, landet man ebenfalls wieder am Ausgangsort. Die Insel ist perfekt geeignet für Menschen mit schlechtem Orientierungssinn. Da kannst du dich unmöglich verfahren.
Am Ende habe ich einen Platz. Bloss macht das Wetter nicht mit. Es bläst stark. Schneeschwaden wirbeln durch die Landschaft und am Ende sitze ich in einem netten Schneesturm. Das ist durchaus schön. Aber nicht das, was ich gesucht habe. So fahre ich zurück ins warme Daheim. Zum Teil im ersten Gang und Schritttempo. Rundherum ist alles weiss, die Sicht fehlt. Man sieht nicht mal mehr die Stangen am Strassenrand. Dieser Blogeintrag zeigt: Ich bin wohlbehalten zurückgekommen.
Das Bilderbuch der Reise findet ihr hier.