Montag, 23. Februar 2015

von wegen Wetter

Ist es im Süden schön, ist's im Norden trüb. Und umgekehrt. Das ist das bekannte Wettersystem hier oben. Und trifft einmal mehr zu. Dumm nur, wenn man zum falschen Moment am falschen Ort ist.

Diesmal habe ich genügend Zeit für Flugverspätungen eingerechnet. Damit habe ich die knapp stündige Verspätung für den Flug von Harstad nach Oslo im Griff. Und erwische den Flieger nach Zürich - der um 16.10 Uhr abheben müsste. 

Die Hurtigrutenfreunde haben übrigens gestern in Trondheim windstilles und sonniges Wetter gehabt. Und in der Nacht vom Schiff aus sogar die ersten Polarlichter gesehen.

Adieu Harstad
Hallo Oslo


Und zum Schluss noch dies ...

... es ist kalt (- 8 Grad), alles ist frisch verschneit, die Sonne scheint, der Himmel ist blau. Es ist herrlich. So behalte ich die Gegend hier oben in sonniger Erinnerung. Mit diesem Blick auf das morgendliche Harstad verabschiede ich mich gen Heimat. Übrigens: rechts beim Kran - Hurtigruten - MS Richard With. Das muss schon sein zum Schluss, ein Hurtigrutenschiff :-). 

Schön war's, auf Wiedersehen. Vielleicht mal im Oktober? Herbstliche Farben, Bergwanderungen, Polarlichter? Das ist bereits die nächste Projektidee. 

Abschiedsblick auf Harstad in der Morgensonne - rechts die MS Richard With der Hurtigruten

Faszination - wieso?

Was macht sie aus, die Faszination für den Norden und für die Polarlichter? Schwer zu sagen. Generell zieht mich der Norden seit immer schon an. Die Landschaften, das Licht, die Natur, die Leute. Das passt einfach zusammen.

Die Polarlichter? Die haben mich bereits gepackt, als ich sie erst auf Fotos gesehen hatte. Diese Farben und Formen. Etwas, das es bei uns unten nicht gibt. So habe ich dieses Phänomen in Natura sehen wollen. Plus fotografieren wollte ich es auch. Die erste gezielte Polarlichtreise startete 2013 auf die Lofoten. Mit Gabi und unseren Freunden Trudy und Jürg. Theoretisch hätten wir bereits etwas früher, auf unserer Hundeschlittentour 2012 in Nordschweden, die Chance auf eine Polarlichtsichtung gehabt. Dannzumal blieb es dunkel. Auf den Lofoten, auch in Svolvær, klappte es erstmals. Sie waren schön, sie machten Eindruck, die Lichter. Aber eines war klar: sie können stärker sein. Wie wir während unserer mehrmonatigen Reise durch Norwegen und Schweden im Sommer 2013 feststellen durften. Was wir in Abisko und Gällivare sahen, war extrem eindrücklich. Diese Vielfalt, das Pulsieren. Herrlich. Seit dem hat es mich erst recht gepackt. 

Und dieses Mal? Da hatte ich zwei Mal Glück. 20 % Ausbeute aus 10 Nächten. Nicht übel. Das entspricht dem Schnitt. Auf diesen Schnitt kommt man, wenn man die Statistiken von Leuten anschaut, die über ihre Polarlichtreisen auf Webseiten berichten. Häufig sind das Fotografen. Der Durchschnitt ist relativ tief. Denn es braucht für schöne Sichtungen einen mehr oder weniger klaren Himmel. Was halt nicht immer der Fall ist. Ideal wäre es, man könnte gezielt auf Schönwetterfenster hin anreisen. Aber eben. Der Alltag steckt einem da ein enges Umfeld. 

Noch ein Wort zu den im vorherigen Blogeintrag angesprochenen Japanern: Die haben es auf die Titelseite der Lokalzeitung geschafft. Inklusive einem zweiseitigen Bericht im Blatt. 223 Japaner kamen am Freitag hier oben an. Die SAS hat eigens einen Flug von Kopenhagen nach Evenes umgeleitet deswegen. Das Ziel der Reise? Einzig und allein Polarlichter. Japaner und Chinesen seien eine neue Zielgruppe. Ich glaube, nach langen Jahren haben die Norweger jetzt das Geschäft entdeckt. Zu Beginn wurden sie von den Europäern überrascht, die plötzlich in grosser Zahl für die Polarlichter anreisten. Haben sie die Lichter ja immer und finden sie durchaus normal. Dumm nur, geht der Zyklus der überaus aktiven Lichter bald einmal zu Ende. Dann herrscht wieder Normalzustand. Das heisst, es wird immer Polarlichter geben, einfach weniger und weniger aktive. 

So, jetzt packe ich zusammen und fahre zum Flughafen. Um 10.40 Uhr hebt mein Flieger ab. Update: das war der Plan, aktuell hat er sicher mal 50 Minuten Verspätung. Das Wetter im Süden sei sehr schlecht. Zum Glück habe ich genug Zeit für den Wechsel in Oslo eingeplant. So müsste das klappen. Nicht so wie letztes Jahr mit der Odyssee von Kiruna nach Hause.

Oslo ist die erste Station bevor es am späteren Nachmittag nach Kloten geht. Das Wetter ist gut. Fast klarer Himmel herrscht. Aber für den Nachmittag sind bereits die nächsten Wolken angekündigt. Schaue ich den Wetterbericht für die nächsten Tage an, stehen die Chancen wieder etwa bei 10 bis 20 %. Das passt.

Nerven und kaltes Blut: ein Schauermärchen aus dem Schnee

Schnee ohne Ende in Harstad. Unglaublich. Wobei: hier in der Stadt geht es noch. Kaum bin ich ein wenig in den Hügeln, wirft Frau Holle mit der grossen Schaufel Schnee hin. Von wegen klarem Himmel heute Abend. Das ist die definitive Falschprognose der Wetterfrösche gewesen. Zwischen 21.00 und 24.00 Uhr drehe ich meine Runden. Bis ich sage: fertig, ich muss schlafen - sonst kommt das am Montag mit der Heimreise nicht gut. 

ABER: in diesen drei Stunden brauche ich echt Nerven und kaltes Blut. Es braucht ja viel, bis es mir richtig unwohl wird und ich es mit den Nerven habe. Heute Nacht war es so weit. Und das kam so:

Der erste mögliche Fotostandort erwies sich als suboptimal. Zwar eine gute Stelle direkt am Wasser, aber leider viel zu hell erleuchtet. So ziehe ich weiter zur Nummer zwei. Elgsnes heisst der Standort, ganz am Ende einer Halbinsel. Total einsam. Es muss dort draussen wirklich superschön sein. Ich fahre also in diese Richtung. Bald wundere ich mich. Es geht aufwärts ohne Ende. Nicht wenig, nein, so richtig bergmässig. Dazu kommen der starke Schneefall und schlechte Sicht. Irgendwann hat es keine Strassenlampen und Häuser mehr. Dafür erfassen die Autoscheinwerfer immer mehr tief verschneite Tannen im Wald. Und es geht aufwärts. Es hat viel Schnee. Das Auto bekundet Mühe. Ich fahre weiter. Man gibt ja nicht so schnell auf. Es schneit.

Nach endlos scheinenden Kilometern wird es endlich flacher. Wo bin ich hier, wie hoch ist es? Eine Karte wäre nett. Aber die hat Mann leider nicht. Ich fahre weiter und denke: komisch, wo ist denn hier das Meer? Das muss doch irgendwo unten sein. Ich komme an einem parkierten Bus vorbei. Es leuchten Taschenlampen. Ich glaube ich spinne. Am Strassenrand stehen tief vermummte Gestalten mit in Plastiksäcken verpackten Fotokameras auf Stativen. Eine Touristengruppe auf der Jagd nach Polarlichtern. So schlecht kann es hier somit nicht sein. Es schneit wie verrückt. Die Touris sind dick verschneit. Zum Glück haben sie ein Tipi, in welchem ein Feuer brennt, sehe ich aus dem Augenwinkel. Ich fahre weiter. 

Dieser Entscheid hätte mich um ein Haar ins Verderben geritten. Die Strasse geht plötzlich steil runter. Ich kurve vorsichtig hinab. Und denke bloss: wie um Himmelswillen komme ich hier jemals wieder hoch? Mein Mietauto ist nicht gerade der Hammer mit seinen kleinen Rädchen und dem 2-Rad Antrieb. Ich vermisse meinen Volvo XC70 mit den vier Zahnrädern. Ich fahre weiter. 

Und plötzlich sage ich: Fertig lustig, umdrehen. Das kommt gar nicht gut. Denn die Strasse fällt so richtig steil runter. Und es schneit. Wie verrückt. Ich sehe kaum etwas. Drehe das Auto um und schon geht es los: Anfahren? Guter Witz. Drehen an Ort ist angesagt. Ich örgele und dank Handbremse und Fingerspitzengefühl krieche ich bald im 1. Gang den Berg wieder hoch. Kaum schalte ich, ist fertig lustig. Zu wenig Tempo für den 2. Gang. Wieder runter in den 1. Gang. Komme ich hier jemals wieder hoch? Schneeketten wären echt eine gute Sache. Nun, am Ende schaffe ich es mit Ach und Krach wieder hoch. Die Schneemonster mit Kameras stehen immer noch im Schilf. Tröstlich. Es hat immerhin Menschen in der Gegend. Aber sonst? Da ist einfach gar nichts. Kalt ist es mit -4 Grad auch. Im Auto übernachten wäre nicht wirklich gemütlich.

Ich kriege Hunger. Diese Aktion hat Nerven gekostet. Bald sehe ich wieder Strassenlampen und Häuser. Uff. Geschafft. An einer Tankstelle, die noch offen hat - oh Wunder, mampfe ich einen Hamburger in Wurstform. Egal was, Hauptsache Futter. Das tut gut. Ich gehe nochmals an Standort Nummer 1. Dabei kommt mir der Bus mit den Touris entgegen. Haben sie aufgegeben? Ja, denn es schneit immer noch wie verrückt. Schneeräumen ist angesagt, da ist um Mitternacht alles draussen was sie haben. Traktoren, Bagger, Lastwagen. 

Die Touris wohnen offenbar im Scandic-Hotel. Beim Heimfahren sehe ich die vermummten Gestalten ins Hotel schlurfen. Ich habe mein Zimmer im Thon-Hotel. Da hat es ein Rudel Japaner. Die warteten offenbar im Hafen drüben auf Polarlichter. Sie schleppen Kameras und Stative ins Hotel. Übungsabbruch auch hier.

Für mich ist ebenfalls Ende angesagt. Es schneit immer noch. Das bringt wirklich nichts mehr. Mit dem Foto meines verschneiten Autos verabschiede ich mich ins Bett. Ach ja: Elgsnes habe ich über Google nochmals genauer angeschaut. Das interessante Detail, welches mir entgangen ist: Der Weg in den Weiler führt über einen veritablen Berg. Im Sommer sicher 1a für Aussicht und zum Wandern. Aber jetzt? Eher nervenaufreibend, wenn man einfach so ins Weisse fährt. Und ja: es schneit. 

Elgsnes Bergstrecke - fast das Verderben

Es schneit, und schneit, und ...


 



 


Sonntag, 22. Februar 2015

Harstad - zum Zweiten

Abwechslungsreiche 170 km später bin ich wieder in Harstad. Das Wetter machte die Abwechslung aus. In Svolvær schien tatsächlich die Sonne. Das gab ein paar schöne Abschiedsbilder. Im weiteren Verlauf der Fahrt gab es fast alles: Schnee, Schneesturm, wenig Wind, viel Wind, Schneeverwehungen, apere Strassen. Eine bunte Mischung. Und das auf dieser kurzen Strecke. 

In Harstad kam ich gegen 15.00 Uhr an und hatte einen Bärenhunger. Die erste Station nach dem Zimmerbezug war klar. Das Restaurant unten im Hotel. Die haben nun die Zutaten für ein Clubsandwich weniger. Das tat gut. Zur Verdauung spazierte ich ein wenig durch Harstad. Mein Fazit: Die Stadt muss man nicht gesehen haben. Das Wort "Provinzort" trifft es wohl. 

Nun mache ich wohl ein kleines Schläfchen. Bin nämlich nach der kurzen Nacht ziemlich müde. Und wer weiss: es kann noch einmal eine kurze Nacht kommen. Es klart langsam auf. Hier hat es knapp 10 cm frischen Schnee hingeworfen heute.


Der Tag in Bildern

Der Abschied von ...

... Svolvær gestaltet sich nicht weiter schwierig. Das Wetter hilft aktiv mit und signalisiert klar: es gibt Orte, wo es allenfalls besser ist.

Heute um 08.30 Uhr bin ich aufgewacht. Es hat am Dach gerüttelt. Ich dachte schon: Super, das schöne Wetter ist mit dem Wind zurück. Aber hoppla. Ich schaue raus und sehe erstmal fast nichts. Es schneit wie verrückt. Waagrecht, zur Abwechslung von links. Gestern kam’s von rechts ;-). Na ja. Ich hätte mir für meine Fahrt gen Norden besseres Wetter gewünscht. So wird das ziemlich anstrengend. Aber so schnell wie das Wetter hier wechselt, kann es plötzlich schön sein. Ich fahre erst um ca. 11.00 Uhr los. Immerhin ist der Winter zurück. Schnee ist mir allemal lieber als der Regen.

Im Moment sind Freunde von uns auf der Hurtigruten unterwegs. Sie fahren mit der MS Midnatsol nordwärts. Und kommen morgen Montagabend in Svolvær an. Wir verpassen uns um genau einen Tag. Virtuell treffen wir uns aber, denn auch sie haben einen Reiseblog begonnen. Ich wünsche ihnen herzlich gut Licht - vor allem für die Polarlichter natürlich. 

Update: und um 11.00 Uhr war das Wetter doch tatsächlich besser. Um fair zu bleiben zum Wetter hier ein Eindruck davon, just bevor ich wegfuhr.



Fahrsicherheitstraining inklusiv

Uff, war das eine Heimfahrt. Die 40 km hatten es in sich. Schneegestöber, Schnee und Pflotsch auf der Fahrbahn. So viel, das Auto fand teilweise keinen Halt mehr. Wegen des vielen Regens in den letzten Tagen hat es zusätzlich grosse Pfützen auf den Strassen. Aquaplaning in Reinkultur. Vor allem dann, wenn die Pfützen im starken Schneefall schön getarnt sind. Nun, ich bin heil daheim angekommen. Und nun geht's ab in die Federn. Ob ich von Polarlichtern träumen werde?

Das Bilderbuch der Reise findet ihr hier.