Donnerstag, 19. Februar 2015

Vom Meer auf den Tisch

Im Coop kaufe ich gut 240 Gramm fangfrischen Dorsch für NOK 17.08 - das sind umgerechnet Fr. 2.10. Das heisst, das Kilo kostet keine Fr. 10.00. Da frage ich mich, wieviel die Fischer hier verdienen. Der Trockenfisch dagegen gehe für bis zu € 25.00 pro Kilo über den Tisch.

Heute bin ich durch die beiden Fischereibetriebe in meiner unmittelbaren Nachbarschaft gegangen. Der eine Betrieb betreibt Grossfischerei. Ein Netz wiegt rund 3 Tonnen und muss riesig sein. Mit einem Kran wird es in die Waschmaschine mit der Riesentrommel gehievt. Es riecht ziemlich deftig. Am Kai liegt das grosse Fangschiff. Das, wenn ich mich recht erinnere, vor 3 Tagen das letzte Mal hier war. Vermutlich sind sie so lange draussen auf dem Meer. Jetzt werden nagelneue Netze geladen. Es wird wohl bald wieder ablegen. Der Fisch wird über grosse Röhren an Land gebracht. So etwas wie ein Megastaubsauger. 

Dorschfang in der Industrievariante
100 m von meinem Haus entfernt, steht "L. Bergs Sønner". Ein Betrieb, bei dem die Fischer mit den typischen kleinen Fischerbooten vorfahren. 2 Mann Besatzung sind die Regel (der Kapitän und eine Hilfskraft). Die Boote sind im Vergleich zum grossen Fangschiff Nussschalen. Das muss ein unglaublich harter Job sein. Auf dem rauhen Meer, in eisiger Kälte, mit dem kalten Wasser und in der Dunkelheit zu arbeiten.

Der Fisch wird in grossen Kanistern, bereits geköpft und ausgenommen, angelandet und gleich in die Weiterverarbeitung gebracht. Die Fischer stehen in der Halle drin, diskutieren und schauen zu, bis ihr Fang in den richtigen Händen ist. Sehenswert ist nur schon die Ausrüstung, die sie tragen. So dicke Stiefel habe ich noch nie gesehen. Fotos machte ich übrigens keine. Ich bin da eher zurückhaltend. Auf Youtube ist dieses Video aus genau diesem Betrieb zu finden.

Hier die traditionelle Variante mit Kleinbooten
Händler gehen ein uns aus und Teile der Ladung werden gleich weiterverkauft und abtransportiert. Wenn ich all die vielen Betriebe hier auf den Lofoten zusammenzähle, werden pro Tag Unmengen von Dorsch verarbeitet. Immerhin soll der Fischfang relativ nachhaltig sein. Die EU gibt die Fangquoten auf Basis der vorhandenen Bestände vor.

Ich für meinen Teil kaufte heute, wie eingangs erwähnt, frischen Dorsch. Ein Teil des Fangs wird getrocknet und zum berühmten Trockenfisch verarbeitet. Diese Tradition lebt. Heute wird fleissig an den Gestellen gearbeitet. Da gibt es die bekannten, giebelartigen, Modelle. Dazu die Variante Hopfengestell, da hängt der Himmel waagrecht voller Fisch. Aktuell sind diverse Trocknungsstadien zu bestaunen. Vom fast noch frischen Fisch bis zum bereits relativ gut getrockneten Modell hat man die Auswahl. 


verschiedene Stadien der Dorschverarbeitung