Da das Wetter besser ist als gedacht, verlasse ich am Morgen meine Insel und fahre rund 50 km nach Gimsøya. Das ist die Nachbarinsel in Richtung Å. Dort wollte ich sowieso schon lange mal hin. Die Insel hat einen langen Strand der nach Norden gen Atlantik ausgerichtet ist. So kommen die Wellen mehr oder weniger gerade auf das Festland zu. Und die Idee war nicht falsch. Es ist herrlich. Wer melancholische Winterstimmungen in menschenleeren Gegenden mag, ist hier richtig. Vor dem Meer durchfahre ich eine grosse Ebene, wo es kein Haus hat. Erst vorne am Ufer hat es ein paar Weiler. Hier am Wasser kann ich nachvollziehen, wieso die Lofoten im Winter bei Surfern beliebt sind. Sandstrände, Wellen, Einsamkeit. Das war übrigens kein Witz: auf den Lofoten wird im Winter häufig gesurft. Bei 4 Grad Wassertemperatur nichts für Warmduscher. Heute war aber niemand am Strand.
Ich staune nicht schlecht, als ich einen kleinen Lebensmittelladen entdecke. Dort sitzen drei Nasen hinter der Scheibe. Als ich mit dem Auto parkiere und aussteige werde ich beglotzt wie ein Marsmensch. Ein Gefühl wie in einem Roadmovie, wenn ein Typ irgenwo im Busch draussen in einen Tankstellenladen kommt wo seit Jahre keiner mehr war. Oder so. Egal, Hauptsache ich bekomme etwas zu Essen. Und das klappt. Habe nämlich mein Futter daheim vergessen. Die 0 Grad Aussentemperatur werden begleitet vom einem zügigen Wind. Da braucht es Brennmaterial im Magen.
Kollege Reto hat sich diesen Platz ausgeguckt um Polarlichter zu fotografieren. Ich rekognosziere für ihn und stelle fest: der Ort passt. Am Meeresufer hat man freie Sicht ins Nirwana. Störende Lichter sollte es keine haben, respektive man kann die mit geschickter Standortwahl umgehen. Auch Strom- und Telefonleitungen zerstören einem die Fotos nicht. Und wer will, findet sogar den einen oder anderen pittoresken Schuppen als Vordergrund.
Der Golfplatz ist hier übrigens besonders erwähnenswert. Da zahlt man vermutlich keine "Greenfee" - sondern eher eine "Stonefee". Ob es da im Sommer grüne Stellen hat? Der Platz liegt mitten in den Steinen. Hier die Sicht auf Loch 5 (Bildmitte). Eines muss man dem Platz lassen: Die Lage ist der Hammer.
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| Golfplatz Gimsøya - Loch 5 - die gelbe Flagge in der Bildmitte |
Es zieht wieder zu, die Wolken hängen tief und es jagen Schneeschauer durch die Gegend. Ob ich heute Nacht nochmals auf die Insel an den Strand fahre? Wieso eigentlich nicht? Es ist ja nicht weit. Und wer weiss, vielleicht reisst die Wolkendecke nochmals auf? Heute Nachmittag war die Sicht durchaus passabel.
Das Bilderbuch der Reise findet ihr hier.
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| Wintertraum Lofoten - Insel Gimsøya |

