Gegen 19.30 Uhr breche ich auf. Es hält mich nichts mehr im Haus. Mit dem Auto fahre ich gen Laukvik. An meinen Standort. Der ist einige Kilometer weiter weg an der Küste. Wo ich frei nach dem Motto "Bei Dunkelheit betrachtet" gröbere Lichtverschmutzung am weit gegenüberliegenden Ufer feststelle. Das geht fast gar nicht. Die Freude hält sich in engen Grenzen. Es zeigt sich einmal mehr: Rekognoszieren mit 1:1 denselben Bedingungen die man antreffen will ist zwingend. Von wegen menschenleerer Gegend ohne Licht. Beim Fotografieren von Polarlichtern stören grössere Lichtquellen wie Dörfer ungemein. Ich schiesse ein paar Aufnahmen, spekuliere auf länger anhalten Polarlichtaktivität, packe zusammen und suche mir einen neuen Ort. Den finde ich. Eine Nebenstrasse ins Juhee rettet mich. Ich fahre der Strasse nach und es wird sofort dunkel. Alle störenden Lichter werden durch Hügel, Steine und Buschwerk ferngehalten. Super. Verkehrmässig ist nichts los. Am Ende bin ich fast 2 Stunden schlicht allein. Jedenfalls fast. Aber dazu später mehr.
Der Aufbau der Kamera ist schnell erledigt. Übung macht den Meister. Dann geht es los. Die Temperatur ist mit +6 Grad ziemlich ok. Der Wind bläst aber stark. So verpacke ich mich dick. Eine gute Idee. Ich halte es sehr gut aus und friere nicht. Bild um Bild banne ich auf die Speicherkarte. Die Lichter sind ziemlich aktiv. Pulsierend bewegen sie sich über den Himmel. Ich bin fasziniert. Herrlich. Manchmal schaue ich minutenlang einfach zu. Ohne zu Fotografieren. Der Himmel ist breit bedeckt mit den Lichtern. Die fast nie aufhören. Fast 2 Stunden lang läuft das Programm. So ein Glück! Endlich hat es geklappt. Denn die nächsten Tage soll es eher schlechtes Wetter sein mit Regen und Schnee.
Nach einiger Zeit wechsle ich meinen Standort und fahre im Schritttempo etwas weiter. Plötzlich huscht etwas über die Strasse. Das muss ein Tier sein. Zuerst denke ich an einen Hirsch. Aber hat es das hier? Dann spaziert wieder so ein Viech über die Strasse. Ich erkenne: es sind Elche. Drei Stück, eine Kuh mit ihren beiden Jungen. Sie sind wohl etwa so verdutzt wie ich. Bleiben stehen und beglotzen mich, und ich sie. Wir stehen sicher 5 Minuten da und bestaunen uns gegenseitig. Das wäre der Hammer: Polarlichter mit Elchen im Vordergrund. Davon habe ich schon einmal geträumt. Sie denken wohl, sie seien nicht fotogen und machen sich davon als ich aussteige. Wobei: zuerst kommt ein Jungtier noch etwas näher. 10m beträgt der Abstand höchstens. Ich bin mir nicht sicher, ob die Elche Menschen in Blechkonserven toll finden. Die nächsten paar Minuten linse ich immer wieder über die Schulter zurück beim Fotografieren. Unangemeldeter Besuch wäre wohl nicht so angenehm. Die Elche lassen sich nicht mehr blicken. So knipse ich weiter. Polarlichter, wegen denen bin ich hier. Die Elche lasse ich sein. Es ist eh zu dunkel.
Bereits im Auto kopiere ich die ersten Aufnahmen auf den Mac. Qualitätskontrolle ist angesagt. Ich will sicher sein, dass alles passt. Nicht auszudenken, wenn die Fotos wegen einer Falscheinstellung schlecht werden würden. Schnell stelle ich fest: es passt. Meine neuen Einstellungen für die Polarlichtfotografie bewähren sich. Die Kamera und das Objektiv tragen ihren Teil dazu bei. Mir gefallen die Bilder. Sie sind natürlich mit Lightroom bearbeitet. Die Kamera sieht mehr als menschliche Auge zu erfassen vermag. Das ist bekannt. Um 02.30 Uhr bin ich mit der Arbeit fertig. Nach dem langen, intensiven Tag bin ich sehr müde und werde nach einer Dusche sicher tief und fest schlafen. Sicherlich bis gegen 09.00 Uhr.
Das Bilderbuch der Reise findet ihr hier.
Und drei ausgewählte Aufnahmen vom Polarlichtabend gibt es hier.
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| Für Insider: das ist der Matmora - dank 14mm Weitwinkel aus einer speziellen Perspektive |


